Reflektorische Effekte

Darunter versteht man Effekte, die durch die Stimulierung der Rezeptoren und freien Nervenendigungen in Haut und Muskulatur ausgelösten Prozesse des Nervensystems. Diese bewirken analgetische (=schmerzhemmende), sympathikushemmende und den Muskeltonus regulierende Effekte.

 

Die schmerzhemmende Wirkung erzielt die Massage durch

  1. Stimulation von Rezeptoren der Haut: Massagebehandlungen stellen einen mechanischen Reiz über die Haut dar. Sie leitet die Impulse über das Rückenmark zum Gehirn. Da dieser Impuls schneller ist als jener des Schmerzes, findet eine Dämpfung des Schmerzes bereits an den Synapsen auf Rückenmarksebene statt, womit der Schmerz auch nicht mehr bewusst wahrgenommen wird (gilt nur für den aktuen nicht aber für den chronischen Schmerz!). Die erfolgreiche Schmerzhemmung zieht noch einen weiteren Effekt nach sich: die Aktivität des sympathikus lässt nach und der Muskeltonus sinkt.
  2. Stimulation von Rezeptoren in der Muskulatur: Massagebehandlungen stimulieren auch das Muskelgewebe. Dann läuft ein identischer Schmerz hemmender Prozess wie unter Punkt 1 beschrieben ab.
  3. Stimulation von Rezeptoren im Bereich der Gelenke: Massagebehandlungen stimulieren auch die Gelenkkapseln von Gelenken (Techniken, bei denen Gelenke bewegt werden), welche einen Schmerz hemmenden Prozess auslösen können.

Zahlreiche Studien zum Einfluss der Massage auf die Schmerzwahrnehmung zeigen, dass der Schmerz verursacht durch Tumoren zumindest kurzfristig reduziert werden konnte. Bei Brustkrebspatientinnen konnte die Schmerzlinderung unterstützt werden. Weiter wurde bei Frauen mit Spannungskopfschmerzen sowohl die Schmerzintensität wie auch die Schmerzhäufigkeit reduziert. Ein Experiment zeigte schliesslich den Effekt auf Kreuzschmerzpatienten. In einem Zeitraum von 10 Wochen bei einer Massage pro Woche konnte der Schmerz reduziert und die Einnahme von Schmerzmedikamente im Vergleich zur Kontrollgruppe vermindert werden. Eine Studie an Gesunden zeigte auf, dass mit Massage behandelte Menschen eine höhere Schmerzschwelle haben.

 

Tonusregulierende Effekte

Die eigentliche direkte manuelle Wirkung der Klassischen Massage dient der Regulierung des Muskeltouns. Massage ermöglicht sowohl eine tonussteigernde als auch eine tonussenkende Wirkung. Auch dieser Vorgang beruht ebenfalls auf reklektorischen Vorgängen.

 

Die Massage setzt einen mechanischen Reiz an der Muskulatur, genauer an der Muskelspindel. Von hier aus wird der so genannte myostatische Reflex ausgelöst. Bei diesem Reflexbogen liegen Effektor und Rezeptor im gleichen Organ, nämlich der Muskulatur. Von Spindel zu Rückenmark und wieder zurück zur Muskelspindel wird der Muskeltonus reguliert bzw. die Kontraktionsbereitschaft des Muskels verändert.

 

Durch verschiedene Techniken der Klassischen Massage ist es möglich, den Tonus der Muskulatur zu senken oder zu steigern:

  • Das Senken des Tonus ist möglich durch rhythmische Dehnung der Muskelspindeln oder rhythmische Kompression. Des Weiteren trägt die Schmerzhemmung durch Massage zu einer Muskeltonussenkung bei. Über die Wirkung auf das limbische System und die Formation reticularis setzt ein Gefühl der Entspannung ein.
  • Die Steigerung des Tonus ist möglich durch stärkere und intensivere Techniken wie Kneten oder Klopfen und wird z.B. als Vorbereitung für sportliche Aktivitäten genutzt. Die Stimulation der Muskelspindel durch kurze und aggressive Reize löst in der Regel eine Muskelkontraktion aus.